Lif

Lif wird 1038 als uneheliche Tochter eines Dorfvorstehers der Grafschaft Fingal an der Ostküste Irlands geboren. Aufgrund der Tatsache, dass das Eingeständnis ein uneheliches Kind gezeugt zu haben, den Dorfvorsteher im bereits christianisierten Irland ruinieren würde, setzte dieser das Kind (dessen Mutter bei der Niederkunft leider verstarb) kurzerhand im nahen Wald aus, wohl hoffend dass das Kind die erste Nacht nicht überleben würde.

Doch war zu jener Zeit ein in der Gegend wohl bekanntes, jedoch kaum geachtetes Kräuterweib in diesem Wald unterwegs und wurde Zeuge der frevelhaften Tat. Die Alte, die das Wirken der alten Geister und der Ahnen immer noch spüren und deuten konnte, beschloss das Kind an sich zu nehmen und schwor sich und den Göttern, dass dieses Kind leben sollte. Da sie der alten Künste mächtig war, gelang es ihr mit ein wenig Mühe das unterkühlte Würmchen aufzupäppeln und aus den Fängen des ihr sonst sicheren Todes zu befreien.
Das Kind wuchs heran, und ward schließlich eine junge Frau geworden.

So wurde sie von der Alten in den Künsten der Vorfahren unterwiesen und stand dieser alsbald in Sachen Heilkunst in nichts mehr nach.

Eines Tages begab es sich, dass eine Horde Wikinger, die ebenfalls ihrem alten Naturglauben treu geblieben waren, und zu dieser Zeit im Auftrag eines Jarls aus Hedeby nach Irland aufgebrochen waren die Hütte im Wald aufsuchten.
Einer der Kerle war schon einmal hier gewesen und wusste wie der Weg zu finden war. Und dies war äußerst wichtig, denn einer der Ihren war in der Schlacht gegen eine christliche Söldnertruppe schwer verletzt worden.

Die junge Lif kümmerte sich alsbald um den Verwundeten, und wo sie nicht weiter wusste, wurde sie von der Alten angewiesen. Der junge Krieger namens Finn war allerdings so schwer verletzt, dass seine Freunde ohne ihn weiterziehen mussten, da sie seine Genesung, die sicher länger dauern würde, nicht abwarten konnten. Sie versprachen aber beim nächsten Vollmond wieder da zu sein um ihn abzuholen.

Die Tage vergingen und wurden zu Wochen, und mit der Zeit heilten Finns Wunden gut, nicht zuletzt aufgrund von Lifs fürsorglicher Pflege, die wenn man genau hinsah, dann doch immer fürsorglicher wurde. Wer die Zeichen zu deuten wusste, wie die Alte, sah dass sich die junge Lif in den nordischen Krieger verliebt hatte. Und wer die Augen ein wenig mehr öffnete, sah dass es um den Wikinger ebenfalls geschehen war.

Als die Zeit dann gekommen war und Finns Freunde ihr Wort hielten und ihn holen kamen, beschied die Alte, da sie nun das Ende ihres Lebensweges sah, dass es für die junge Heilerin an der Zeit war sie zu verlassen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Mit Tränen in den Augen, wissend dass die Alte keine Widerrede duldete, verabschiedete sie sich von ihrer Lehrmeisterin, welche der jungen Frau den Segen der alten Götter mit auf den Weg gab.

Die weise Kräuterfrau starb noch am selben Abend, als die Nordmänner, mit Lif die Hütte verließen. Doch sie starb mit einem Lächeln auf den Lippen, wissend dass sie das oberste Gebot der Großen Mutter, nämlich das Leben zu bewahren, erfüllt hatte. Sie freute sich und war voller Stolz auf ihre Schülerin, die ihren Weg meistern würde. Und erfüllt mit diesem Wissen, ging sie frohen Mutes in die Anderswelt.

Lif indessen verließ ihren heimatlichen Wald, und schloss sich Finn und den Nordmännern an.